Mittwoch, 20. Dezember 2017

Adventskalender Tag 20


Hinter dem 20sten Türchen verbirgt sich Helena Baum.

Liebe Helena,
du schreibst Gegenwartsromane, in denen sich sicherlich einige Frauen wiederfinden.  Wieso hast du dich für dieses Genre entschieden und nicht z. B. für den Thriller?
Man soll ja nie nie sagen...aber im Moment reizt es mich, Geschichten zu schreiben, die nur ein Stück neben dem eigenen Leben stattfinden. Beim Schreiben muss ich mich verbinden können. Entweder mit den Figuren, dem Thema oder dem Ort des Geschehens. Im letzten Roman "Die dreckigen Dreißiger" habe ich lange überlegt, ob eine Protagonistin stirbt oder "nur" schwer krank wird. Was hab ich mich gequält und hab es nicht übers Herz gebracht, sie sterben zu lassen. Und manchmal denke ich, es gibt so viele böse, blutrünstige Geschichten. Gewaltvolle Geschichten, mit vielen Toten oder dunklen Energien. Ich glaube, ich stehe eher für das Helle. Aber, man soll ja nie nie sagen.

Das heißt, dass in deinen Büchern die Charaktere nicht sterben? Wie baust du die Spannung auf?
Ich lass sie ( bisher) alle leben. Die Spannung entsteht aus dem Mix der inneren Konflikte und den Anforderungen von außen. Man fiebert mit, wie die Protagonisten wohl entscheiden, welchen Weg sie einschlagen und was dann passiert.

Das hört sich spannend an. Hast du denn schon weitere Ideen für neue Bücher?
Ich schreibe an den langen Winterabenden an meinem 3. Buch. Dieses Mal habe ich zuerst den Klappentext geschrieben:

Portland/Oregon.
David Miller,  58,  renommierter Psychotherapeut, ist auf allen Ebenen über dem Zenit. Beruflich, privat, energetisch. Aus allem ist die Luft raus.  Sein Frau Kathy sieht er nur noch selten im gemeinsamen Leben. Wenn sie da ist, senden  ihre weißen Kopfhörer  die unmissverständliche Botschaft: Lass mich!
Emily und Cooper dagegen sind jung, voller Lebenslust und strotzen vor Energie.  Der Zenit ist noch nicht mal in Sicht. Alles ist möglich. Alles ist lösbar.  Zwischen Surfen, umgebauten Schulbus und Gelegenheitsjobs  findet ihr Leben statt.  Emilys ungewollte Schwangerschaft stellt alles auf den Kopf.  Sie will das Kind auf keinen Fall, Cooper will es unbedingt. Sie stecken fest. Keine Worte. Keine Lösung. Sie gönnen sich eine Stunde professionelle Hilfe, mehr können sie sich bei den horrenden Preisen nicht leisten und gehen zum Besten. David Miller, 58 Jahre. Über dem Zenit. Danach ist nichts mehr wie es war. Weder bei den Millers, noch bei Cooper und Stacey.

Das klingt vielversprechend. Gibt es denn einen bestimmten Auslöser, der dafür sorgt, dass sich deine Ideen entwickeln?
Meistens sind es Ideenfetzen. Ein Hauch von etwas Erlebten, eine Prise von etwas Gehörtem und ein Bund Vorstellungskraft gut gemixt mit Humor, Tiefe und und Spannung...

Magst du uns etwas über deine aktuellen Projekte erzählen?
Spannend, dass Du in der Mehrzahl fragst. Ich bin nämlich ein Einzahl- Mensch. Ein Projekt zu Ende, ein neues wird gestartet... aber dieses Mal sind es wirklich zwei. Einmal die Portland-Geschichte um ein altes und ein junges Paar. Das junge Paar sucht Rat bei einem alten Therapeuten, da sie nicht weiter wissen. Sie haben ihr letztes Geld zusammengekratzt, um sich seinen hohen Stundensatz leisten zu können. Er hat einen guten Ruf. Und dann läuft alles aus dem Ruder....  In Portland lebt meine Tochter und ich wollte meine nächste Geschichte unbedingt dort ansiedeln.
Mein anderes Buchprojekt ist ein Ratgeber für junge Therapeuten zu Paartherapie. Da stecke ich noch ganz in den Anfängen und sammle erstmal Fragen und Themen. Soweit erstmal, andere Ideen sind noch im Nebel. Klopfen aber schon an.

Das heißt, dass du nicht nur auf Romane spezialisiert bist, sondern auch Ratgeber und Fachbücher schreibst
Da zieht es mich auch hin. Aber wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich dem Roman den Vorrang geben.

Zum Glück musst du das nicht. Vielen Dank, dass du dir die Zeit für meine Fragen genommen hast. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg

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