Donnerstag, 14. Dezember 2017

Adventskalender Tag 14

Heute verbirgt sich Rikki Lamur hinter dem Türchen. Sie hat für euch eine kleine Geschichte geschrieben. :)





Die Sterne im Himmel

Ein sanftes Glitzern lag über der unberührten Landschaft, ein Hauch Magie. Ein Stück Unwirklichkeit. Beinahe schwerelos glitten die Flocken vom grauen Himmel über dem Wald, als hätten sie genau diesen Weg gewählt, um diesen Ort zu verändern. Stille herrschte überall. Plötzlich hörte man ein leises Knirschen im Baumreich – erst sporadisch, doch dann hielten sie an - die zaghaften Schritte eines Kindes, das durch den glänzenden Schnee ging. Mutig schritt es weiter und hinterließ dabei eine feine Spur im Schnee hinter sich, die schon bald wieder zugeschneit sein würde, vor allen Augen verborgen und doch hatte sie existiert.


Plötzlich blieb das Mädchen stehen. Ihr Herz schlug ruhig in ihrer Brust. Das Kind spürte, dass sie an diesem Ort richtig war. Sie hob den Kopf, strich sich seine langen braunen Haare aus dem Gesicht und blinzelte, um ihre Wimpern von den eisigen Kristallen zu befreien. Die grünen Augen der Kleinen musterten die Umgebung, dann entdeckten sie etwas Außergewöhnliches, es schien das junge Geschöpf förmlich anzuziehen. Interessiert trat das Kind, ohne Eile ein paar Schritte voran. Ein heller Schein breitete sich im Schnee aus, nicht weit von ihm entfernt, während sie sich diesem zielstrebig näherte.


Langsam ging das Kind in die Knie und legte ihre Hand um die atemberaubende Pflanze. Neue Kraft durchströmte durch ihre Adern. Erleichtert atmete das Mädchen auf. Aus dem Augenwinkel sah die Kleine plötzlich ein geflügeltes Pferd, dass sich elegant auf sie zubewegte. Schnell erhob sie sich und blickte dem stolzen Tier entgegen. Es war von stolzer Erscheinung. Das Mädchen spürte deutlich eine seltsame Verbindung zwischen ihnen.

Dicht vor ihr blieb das Ross stehen. Seine Flügel falteten sich beinahe lautlos an seine weißen Flanken. Er kam ihr vor, wie ein Bote. Seine klugen Augen musterten das Mädchen, die Blume in ihren Händen.
„Wie hast du mich gefunden?“, fragte das geflügelte Pferd mit samtweicher Stimme. Ein leichter Luftzug fuhr durch seine Mähne und ließ die Haare aufwirbeln.
„Ich habe an dich geglaubt. Ich wusste, dass du existierst.“
Das Ross trat einen Schritt näher und senkte den Kopf. Das Mädchen hob seine (ihre?) Hand, um die Stirn des Tieres zu berühren. „Ich muss dir etwas zeigen, steig auf. Ich kann dir helfen“, meinte das Pferd und das Kind folgte seiner Aufforderung. Schnell griff es in die Mähne des anmutigen Wesens und zog sich auf seinen Rücken. Es brauchte keine Aufforderung. „Wie ist dein Name?“, fragte das Kind.  „Renas.“

Mit diesen Worten erhob sich das Tier in die Lüfte. Es schien von einem sanften Wind getragen zu werden. Sanft, aber kraftvoll schlugen die langen, fedrigen Schwingen in gleichmäßigem Rhythmus und hinterließen einen Strom glitzernder Funken. Das Kind hielt noch immer in der Hand die Blume, während sie sich mit der anderen an der Mähne festklammerte.

Immer höher stieg das Wesen, durchbrach die Wolkendecke und erreichte die weite Ebene des Horizontes. Eine kurze Zeit lang schwebten sie beinahe schwerelos in der Galaxie. Einem Raum, der grenzenlos schien. Mit kräftigen Flügelschlägen glitten sie weiter, erreichten die Sterne. Es waren Unzählige. Fasziniert sah sich die Kleine um, während das Pferd zwischen eine Vielzahl an Himmelskörpern weiterflog.
Sie erreichten ein strahlendes Gestirn. Eines, das größer war als die anderen, heller schien und eine starke Anziehungskraft auf das Kind ausübte. Das Geschöpf schien das zu spüren, denn es flog dicht an den Stern heran, bis es sich direkt darüber befand. Aber die Beiden nahmen keinen Schaden und so verharrte das Wesen. Das Kind streckte zur gleichen Zeit die Hand mit der goldenen Blume aus und öffnete langsam die Finger. Sanft fiel die Pflanze durch die Luft, traf auf den Asteroiden auf und verwandelte sich in eine Spur aus feinem Glitzerstaub. Alles in wenigen Sekunden.
Das Mädchen verspürte eine plötzliche, erneute Wärme. Einen Augenblick schloss das Kind die Augen. Etwas geschah mit ihr. Erneut durströmte ihren Körper Energie. Eine wohltuende, wogen ähnliche Welle, die ihr die Richtung wies. Ein kleiner Wegweiser, der sie von dem Stern fortführte. Das geflügelte Wesen schien das zu spüren. Hoffnungsvoll schloss das Kind die Augen und stärkte ihr Vertrauen.
Das Pferd wurde langsamer, die Flügelschläge setzten aus. Sie glitten durch die Luft, bis es sich entschloss auf einer schneebedeckten Wiese zu landen. Das Mädchen öffnete ihre Augen.  Vor sich sah die Kleine ein Haus und erkannte das dunkle Holz der Balken und den nahestehenden Baum. Es war eine Lichtung. In ihr drängte ein Gefühl. Rasch glitt das junge Wesen vom Rücken des geflügelten Tieres und eilte auf das Haus zu, so schnell ihre Füße sie tragen konnten. Noch bevor sie dieses erreichte, schwang die Tür im gleichen Augenblick auf und eine Frau trat heraus. Alarmiert erblickte sie das Kind und traute ihren Augen nicht.
„Mama!“ Es war ein lang ersehnter Ruf.

Das Mädchen stürmte auf die Fremde zu. Die Frau rannte ebenfalls los und so lagen sich die beiden kurz darauf in den Armen. Tränen rannen über ihre Gesichter. Erleichterung und Freude verbreiten sich.  „Du bist zurückgekehrt!“, murmelte die Mutter und strich ihrer Tochter liebevoll übers Haar. Als die Kleine ihren Kopf umwandte, sah sie, wie das Pferd seine Flügel ausbreitete und sich in die Lüfte erhob. 
Renas würde zu seiner Familie zurückkehren. Ein Geschenk, welches das Pferd auch dem Mädchen hatte machen können.

Renas würde zu seiner Familie zurückkehren. Ein Geschenk, welches das Pferd auch dem Mädchen hatte machen können.
















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