Mittwoch, 8. Juni 2016

[Rezension] Mira - Wer bist Du von AK Schmidt

Colin lief das erste Mal über die Brücke. Es war dunkel, kalt und die Lichter der Häuser schimmerten nur schwach in dieser Märznacht. Er war bereits dabei umzukehren, als eine rote Reklametafel seine Aufmerksamkeit auf sich zog. Mit einem mulmigen Gefühl überquerte er den Schotterparkplatz und betrat das Bordell. Nichts an diesem Ort war anmutig, verlockend oder hatte Charme. Die Frauen waren aufdringlich, keine erfüllte seine Erwartungen, nichts hielt ihn noch länger hier, bis plötzlich sie in sein Leben trat. Ihre Augen waren leer, ihre Bewegungen ohne Ziel und dennoch war sie für Colin perfekt und dafür hasste er sie.
Mira hatte keine Träume, keine Erwartungen – nur den Alltag, der sie langweilte. Wozu leben, wozu sterben? Wo ist das Ziel, wenn es keinen Anfang gibt? Wie jeden Tag stand sie an der Bar dieses gottverfluchten Bordells, genervt von allem und jedem. Sie dachte, es würde sich nie etwas ändern, bis zu dem Abend, als er in ihr Leben trat. Einfach so, ohne Vorwarnung, ohne ein Wort, stellte er alles in Frage, riss sie mit sich und ließ nichts von ihr zurück.
Quelle

Es waren nur 500 Meter. Nur 500 Meter, die zwischen Deutschland und Polen lagen.


Bei Mira-Wer bist du handelt es sich um einen Auftakt einer Reihe. Das Cover finde ich in Ordnung, ist für mich aber als Coverliebhaber zu schlicht. Allerdings macht es trotzdem neugierig, weil es, wenn man nicht genau hinsieht, nicht wie ein Gesicht aussieht.
Der Schreibstil der Autorin ist gut und flüssig zu lesen und an die Handlungen angepasst. Die Welt in der die beiden Protagonisten leben hat sie gut beschrieben und auch nicht davor halt gemacht, sie nicht zu beschönigen, sondern die harte Realität darzustellen.
Der Einstieg in das Buch war sehr brutal und ich war erst einmal erschrocken, in welcher Welt die Protagonistin Mira lebt. Und tatsächlich habe ich mir lange die Frage gestellt, wer Mira wirklich ist und warum sie als Prostituierte arbeiten muss. Das hat Mira keineswegs nicht authentisch wirken lassen, weil die Autorin nach und nach Miras Geschichte über zum einem Flashbacks, als auch Erzählungen seitens Mira, wiedergibt. Neben Mira war mir auch Colin am Anfang ein großes Rätsel, da er immer wieder auftaucht, aber nicht spricht. Das war für mich sehr interessant, da es  große Rätsel aufwarf. Im Großen und Ganzen haben mir die Charaktere gut gefallen, da sie durch ihre Vielfältigkeit und ihren Unterschieden unterhaltsam waren.
Am Anfang war das Buch für mich sehr spannend, da es sehr rasant zu ging und auch die beiden Charaktere, wie schon beschrieben, Geheimnisse aufwarfen. Allerdings gab es auch da eine Stelle, wo die Autorin immer wieder den gleichen Rhythmus hatte: Mira geht zur Arbeit, trifft auf einen Unbekannten. Das ging leider über mehrere Seiten, wodurch das Buch für mich an Spannung verlor. Im Laufe der Geschichte wurde die Spannung aber wieder angehoben und am Ende wurde es noch einmal richtig spannend und unvorhersehbar und vor allem auch sehr emotional. Das Ende war leider, wie soll es auch anders bei einem Auftakt sein, offen, sodass es neugierig auf den nächsten Teil macht, da es mit einem fiesen Cliffhanger endet.

Im Großen und Ganzen hat mir die Geschichte von Mira und Colin gut gefallen, auch wenn es an der ein oder anderen Stelle etwas zäh war. Übrigens ist der zweite Teil schon erschienen, sodass ihr direkt weiterlesen könnt.

Meine Bewertung
4,3 Sterne




























































































































































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