Sonntag, 24. Mai 2015

[Autoreninterview] Simone Keil



Stell dich doch einmal kurz vor.
Simone Keil, 43 Jahre alt, freie Autorin, Mitglied von Qindie (www.qindie.de). Ich schreibe Fantasy, Gegenwartsromane und Liebesromane. Alles über meine Bücher findet ihr auf meiner Website: www.simone-keil.de

Was hat dich dazu bewegt, Bücher zu schreiben?
Irgendwann war einfach eine Figur da, die wollte, dass ich ihre Geschichte aufschreibe, und ich habe mich breitschlagen lassen. Tja, das haben wohl andere Figuren mitbekommen und so musste ich auch deren Geschichten schreiben. Ich wurde also praktisch zwangsverpflichtet. ^^


Wie entwickeln sich deine Ideen zu den Büchern? Wodurch wirst du inspiriert?
Manchmal klopfen einfach Figuren bei mir an und wollen, dass ich ihre Geschichte aufschreibe und wenn sie hartnäckig genug sind, muss ich das natürlich auch machen. Bei meinem aktuellen Projekt habe ich vorher geplottet, also einen Handlungsablauf erstellt, bei anderen Projekten habe ich es aber auch schon den Figuren überlassen, ihren Weg ganz selbstständig zu gehen.
 
Inspiration findet man überall. Filme, Bücher, Musik, Personen, denen man begegnet oder die man beobachtet, Erlebnisse, all das setzt sich im Unterbewusstsein fest und entwickelt sich vielleicht irgendwann zu einer Idee.

Hat sich dein Leben verändert, seitdem du begonnen hast Bücher zu schreiben?
Das kann man schon sagen, meine Freizeitbeschäftigungen haben sich drastisch reduziert. Neben Brotjob, Familie und dem alltäglichen Leben bleibt nur wenig Zeit übrig, da muss man sich entscheiden, was man damit anfängt. Wenn man sich fürs Schreiben entscheidet, muss man sich im Klaren sein, dass man sich damit gegen viele andere Dinge entscheidet, für die dann einfach die Zeit fehlt. Aber ich würde trotzdem nicht tauschen wollen. Das Schreiben gehört einfach zu meinem Leben dazu.

Hast du zwischendurch auch mal Schreibblockaden? Was machst du dagegen?
Früher hatte ich Blockaden, das kennt wohl jeder Autor/jede Autorin. Aber mittlerweile nicht mehr. Blockaden sind meist ein Zeichen dafür, dass mit der Geschichte etwas nicht stimmt, dass irgendetwas nicht ganz so ist, wie es sein muss. Wenn ich jetzt einen Hänger habe, sehe ich mir das Geschriebene noch einmal genau au – was ist passiert, welchen Weg haben die Figuren eingeschlagen usw. – und komme dann meist sehr schnall darauf, dass sie eine falsche Abzweigung genommen haben, oder vielleicht einfach nur etwas gesagt haben, das nicht stimmig ist. Und dann geht’s weiter.

Gab es irgendwann mal einen Zeitpunkt, an dem du am liebsten alles über Bord geworfen hättest? Was hat dich dazu bewegt weiter zu schreiben?
Oh ja, wöchentlich. :D Das war aber im Prinzip dasselbe wie mit den Schreibblockaden. Wenn etwas unstimmig ist, hängt man fest, und ich bin in der Beziehung auch ein wenig impulsiv und finde dann alles scheiße, was ich je geschrieben habe und möchte alles in die Mülltonne werfen und nie wieder ein Wort tippen. ^^ Aber auch das ist meist nur ein Zeichen dafür, dass in der Geschichte gerade etwas unstimmig ist. Wenn man das herausfiltert – und meist sind das Winzigkeiten – ist alles wieder okay. Mittlerweile weiß ich das und kann Hänger so relativ leicht überwinden.

Erzähl doch mal etwas zu deinem Buch/deinen Büchern.
Ich liebe alle meine Bücher, auch wenn ich heute vielleicht einiges anders machen würde, aber sie sind alle ein Teil meiner Entwicklung als Autorin, und zu jedem Roman könnte ich einen weiteren Roman erzählen. Wenn ich da loslege, würde das wahrscheinlich den Rahmen sprengen. *g Ich picke mir mal ein Projekt heraus, das mir sehr am Herzen liegt.
 
Clockwork Cologne (www.clockworkcologne.de) ist eine Serie, die Steampunk, Fantasy und Krimi verbindet. Die Serie spielt in und um Cöln (das  ist kein Schreibfehler ;-)) im Jahre 1898. Allerdings entsprechen die Welt und die Gegebenheiten nicht dem echten Jahr 1898.
 
Es hat einen Quantenmagischen GAU gegeben, der Großbritannien unbewohnbar gemacht und weite Teile Europas verseucht hat. Die Quantenmagier mussten daraufhin in den Untergrund flüchten. Über Cöln hat die Dampfmagische Gesellschaft ein Schutzschirm errichtet, leider nutzt sie ihre Machtposition zum eigenen Vorteil aus
 
In der Cölner Oberstadt herrschen Korruption und Verbrechen, die Polizei ist unterbesetzt und überlastet. Da kommt mein Protagonist Guy Lacroix ins Spiel. Er ist einer der wenigen Kömmissäre des Kaiserlichen Kriminalamtes, die noch für Ordnung sorgen und für Recht und Gerechtigkeit kämpfen. Leider steht er relativ alleine da, seine Vorgesetzten sind Marionetten der Dampfmagier. Als ihn ein persönlicher Schicksalsschlag aus der Bahn wirft, muss er sich entscheiden. Wird er sich davon unterkriegen lassen und aufgeben oder wird er weiterhin treu dem Gesetz dienen?
Er bekommt einen jungen Assistenten zur Seite gestellt, den ich persönlich besonders gerne mag. Haruki Kimura. Aber auch Haruki hat seine Geheimnisse.
 
Entwickelt habe ich die Serie zusammen mit Susanne Gerdom. Wir haben wirklich lange Zeit mit der Planung verbracht, die Welt und ihre Gegebenheiten erdacht, die Figuren erschaffen. Da gab es tausend Fragen zu beantworten: Welche Arten von Magie existieren, wie funktionieren sie, wie sind die gesellschaftlichen Strukturen, die politischen Zusammenhänge, eine Million Dinge mussten bedacht werden. Das war arbeitsintensiv, hat aber einen riesen Spaß gemacht.
 
Susanne schreibt eine eigene Reihe, die im Clockwork Cologne-Universum spielt, die man aber unabhängig lesen kann. Die Gegebenheiten und das Setting sind dasselbe, die Handlung aber ist eine eigene.
Mittlerweile ist noch eine dritte Autorin mit im Boot, Selma J. Spieweg, die auch wieder ihre eigenen Protagonisten ins Rennen schickt.
Ich finde, das ist eine wahnsinnig spannende Sache, zu sehen, wie sich die Welt, durch so viele unterschiedliche Autorinnen und Figuren, zu einem echten Universum entwickelt, das auf seine ganz spezielle und individuelle Art funktioniert, als wäre es tatsächlich real.

Hast du schon ein neues Buch geplant? Magst du uns schon etwas dazu verraten?
Im Moment schreibe ich an einem Liebesroman und habe nur noch wenige Kapitel zu tippen. Das Buch wird unter dem Pseudonym Nora Haas erscheinen wird. Ich habe mich für ein Pseudonym entschieden, um die LeserInnen nicht zu verwirren und eine eindeutige Abgrenzung zu meinen Fantasy-Titeln zu schaffen.
 
Der Titel des Romans lautet „Kein Sex im Paradies“. Die Protagonistin, Leonie Haase, ist eine Autorin, die sehr erfolgreich Anti-Sex-Ratgeber schreibt. Angefangen hatte es als Auftragsarbeit für eine Zeitung, aber mittlerweile ist sie von ihren Ratschlägen selbst überzeugt. Und welcher Mann würde sich schon an eine Frau heranwagen, die solche Bücher veröffentlicht? Also hat sie sich damit arrangiert, allein zu leben.
Als ihre Freundin Eva sie in einen Luxus-Club in der Karibik verschleppt, stolpert sie in die Arme eine attraktiven Schotten, den sie gegen ihren Willen sehr anziehend findet. Auch er ist von Leonie angetan, benimmt sich aber ziemlich schroff und manchmal sogar abweisend. Leonie ist unsicher. Interessiert er sich wirklich für sie oder ist er will er vielleicht eine Story über sie schreiben?
Sie muss sich also entscheiden. Wagt sie den Schritt und riskiert damit womöglich ihre Glaubwürdigkeit als Autorin und somit ihre Karriere?
 
Es gibt bereits eine Leseprobe, die man auf der Buchseite auf meiner Website findet. Wer neugierig geworden ist, ist herzlich eingeladen, schon vorab einen Blick ins Paradies zu werfen. (www.simone-keil.de/kein-sex-im-paradies)
 
Wenn der Liebesroman abgeschlossen ist, werde ich den dritten Teil um Guy Lacroix schreiben. Ich freu mich schon wieder sehr auf Cöln und habe den alten Brummbär ziemlich vermisst. :-)

Welche Bücher liest du ganz privat? Welches Buch sollte man auf jeden Fall einmal gelesen haben?
Oh je. Ich lese alles, was Buchstaben hat. Es fällt mir sehr schwer, da etwas herauszuheben. Einige meiner LiblingsautorInnen sind Neil Gaiman, Stephen King, Paul Auster, Margaret Atwood, Jeanette Winterson, Susanne Gerdom, deren Bücher ich schon liebte, bevor wir uns persönlich kennengelernt hatten, und noch tausend andere. Ich denke, da sollte man sich auf seinen persönlichen Geschmack verlassen, man sollte einfach lesen, was einem Spaß macht.

Hast du das Gefühl, dass dir Rezensionen helfen? Findest du sie sinnvoll?
Rezensionen sind eine tolle Sache für AutorInnen. Die wenigsten LeserInnen geben einem ja eine Rückmeldung zu den Büchern, ich freue mich immer, wenn mir jemand seine Meinung sagt. Wenn die dann noch über ein Gefallt-mir oder Gefällt-mir nicht hinausgeht, ist das etwas, aus dem man sich als Autorin auch etwas mitnehmen kann. So sieht man, wie bestimmte Dinge bei den LeserInnen ankommen, das ist Gold wert.
Und natürlich bringen Rezensionen auch etwas für die Bekanntheit einer Autorin/eines Autors. So erfahren auch andere LeserInnen, dass es diese Bücher überhaupt gibt und werden vielleicht neugierig.

Wie stehst du zu Gewinnspielen? Verlost du auch manchmal eins deiner Bücher?
Habe ich schon gemacht und werde ich ganz sicher auch wieder mal machen. Es ist doch toll, wenn man jemandem eine Freude machen kann.

Wie gehst du mit negativer Kritik um?
Wenn die negative Kritik begründet dargelegt wird, finde ich das großartig. Ich tausche mich auch gerne mit LeserInnen aus. Als Autorin ist man ja manchmal ein wenig betriebsblind, da kann Kritik sehr hilfreich sein. Es ist auch immer sehr spannend, wie unterschiedlich manche Sachen bei den LeserInnen ankommen können.
Wenn sich die negative Kritik auf ein Finde-ich-scheiße begrenzt, ignoriere ich sie. Da kann ich nichts mit anfangen und man kann es nicht jedem recht machen, dem einen gefällt dies, der anderen das.

Gibt es für dich ein No-Go im Sinne von Büchern oder auch deinen Fans?
Literatur darf alles, das sollte man nicht einschränken. Ich muss ja nicht alles lesen. Und auch die LeserInnen sollten sich nicht einschränken lassen.

Hast du Tipps für junge Autoren oder die, die es gerne werden möchten?
Ich denke, jeder Autor/jede Autorin muss ihren eigenen Weg finden. Schreibt einfach. Schreibt viel, lest viel, schreibt und lest noch mehr. Sehr hilfreich finde ich TestleserInnen, die nicht aus Freunden oder Familienmitgliedern bestehen und keine Angst haben, ihre Meinung zu sagen. Lernt mit Kritik umzugehen und etwas für euch herauszuziehen. Niemand ist perfekt, das Schreiben ist ein niemals endender Entwicklungsprozess.

Was willst du noch unbedingt an deine Leser los werden?
Danke an alle, die meine Bücher gefunden und gelesen haben. Und danke für jede Rückmeldung. Gerade für Indie-AutorInnen ist es schwer wahrgenommen zu werden, weil man in der Masse der Bücher einfach untergeht. Deswegen die Bitte an alle LeserInnen: Wenn euch ein Buch gefallen hat (egal von welchem Autor/welcher Autorin), erzählt euren Freunden und Bekannten davon, schreibt vielleicht eine Rezension auf der Shop-Seite. Ein Buch, das niemand sieht, wird niemand kaufen. Durch das Weitersagen helft ihr den AutorInnen ein wenig wahrgenommen zu werden.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen