Sonntag, 22. März 2015

[Autoreninterview] Patricia Jankowski

Stell dich doch einmal kurz vor.
Mein Name ist Patricia Jankowski, ich bin knapp über vierzig, verheiratet und Mutter zweier Chaotenjungs. Wir leben sehr beschaulich in einem Dorf am Südrand der Lüneburger Heide, wo mein Mann eine Internetfirma betreibt und ich für ihn das Büro führe. Wenn ich nicht gerade einen Schreibflash habe.


Was hat dich dazu bewegt, Bücher zu schreiben?
Das ist eine gute Frage, aber eine schwierige Antwort. Ich glaube, man sucht es sich nicht aus, Schriftsteller werden zu wollen. Im Grunde ist das ein innerer Zwang, schreiben zu MÜSSEN, dem man irgendwann einfach nachgibt. Ich hatte immer schon eine sehr ausgeprägte Phantasie und habe bereits mit vier Jahren angefangen, zu lesen. Aus dem Lesen hat sich das Selber-erzählen entwickelt, und bereits mit zwölf besaß ich eine Schreibmaschine, um meinen galoppierenden Gedanken Herr werden zu können.


Wie entwickeln sich deine Ideen zu den Büchern?
Spontan. Das heißt für mich, daß ich nicht plane. Die Geschichten entwickeln sich im wahrsten Sinne des Wortes. Meist habe ich nur eine Ahnung, ein Grundgefühl, dazu ein oder zwei Personen, die in dieses Gefühl verstrickt sind. Wohin mich das Ganze führt, weiß ich oftmals selbst nicht so genau. Ich erlebe die Geschichte Schritt für Schritt mit meinen Figuren zusammen.


Wodurch wirst du inspiriert?
Das kann alles Mögliche sein. Ein Duft, ein Geräusch. Ein Traum, ein Lied. Ein Film, der mich mit einer bestimmten, sehr starken Emotion zurückgelassen hat. Mein aktuelles Buch zum Beispiel basiert auf einem Songtext, der mich über die langen Jahre des Werdens begleitet hat.


Hat sich dein Leben verändert, seitdem du begonnen hast Bücher zu schreiben?
Mit Sicherheit. Es ist reicher geworden. Aber auch zwanghafter, denn ich muß mir Schreibzeit freischaufeln, was mit meinem Job und der Familie gar nicht so einfach ist.


Hast du zwischendurch auch mal Schreibblockaden? Was machst du dagegen?
Oh ja, die kennt sicherlich jeder Schriftsteller gut. Was ich dagegen mache? Das kommt ganz darauf an. Wenn ich mitten in einem Projekt stecke, das mir wichtig ist, das ich vorantreiben möchte, dann zwinge ich mich zum Schreiben. In der Regel entsteht dabei viel Murks, aber nachdem man sich erst einmal warm geschrieben hat, kommen auch brauchbare Szenen bei raus. Wenn ich aktuell an keinem Projekt arbeite, nehme ich diese Blockaden hin. Es gab immer wieder Phasen in meinem schöpferischen Leben, wo ich lange Zeit – manchmal sogar mehrere Jahre – nicht geschrieben habe. Ich weiß aber genau, daß das Schreiben immer wieder zu mir zurückkehren wird.


Gab es irgendwann mal einen Zeitpunkt, an dem du am liebsten alles über Bord geworfen hättest? Was hat dich dazu bewegt weiter zu schreiben?
Nein, eigentlich nicht. Schreiben gehört für mich vollkommen natürlich zu meinem Wesen. Damit aufzuhören ist ebenso unmöglich, wie das Atmen einzustellen. Natürlich gab es Rückschläge, Zeiten, in denen ich der Meinung war, ich könne einfach nicht gut schreiben. Aber ich bin ein von Grund auf optimistischer Mensch, weshalb mich so etwas nie lange davon abhalten kann, weiterhin meine Geschichten zu spinnen.


Erzähl doch mal etwas zu deinem Buch/deinen Büchern.
Gerne! Denn sie sind alle irgendwie ein Stückchen von mir. Da ich schon sehr lange schreibe, gibt es auch schon eine ansehnliche Anzahl von Romanen. Viele davon werden nie veröffentlicht werden, weil sie entweder zu schlecht sind, oder weil ich mir Figuren anderer Geschichten ausgeliehen habe. Das sind dann meine Fingerübungen, die ich allein für meine Seele geschrieben habe. Eine dieser Geschichten gibt es zur Zeit auf fanfiktion.de als Mitlesegeschichte. Dort habe ich „The Stand“ von Stephen King zu meinen Zwecken mißbraucht und den von mir sehr verehrten Schauspieler Hugh Jackman in die entvölkerte Welt geschickt. Wer sich dafür interessiert, kann mich auf fanfiktion.de als Sarahleandra finden. Ansonsten gibt es inzwischen fünf Romane von mir: „Seelenchronik – Trilogie um Corbin Kavanagh“ ist eine Urban Fantasy Geschichte um einen Vampir und seine sterblichen Freunde. „Fortunate Sun“ ist meine Auseinandersetzung mit dem Vietnamkrieg, der mich bereits als sehr junges Mädchen stark beschäftigt hat. Ich habe an diesem Roman alles in allem fast zehn Jahre gearbeitet, in dem Bemühen, allen Seiten dieses grausamen Krieges gerecht zu werden, und keine platte Liebesgeschichte vor einer brutalen Kulisse abzuliefern. „Der letzte Krieg der Engel“ beschäftigt sich mit der nahenden Apokalypse, wo eine verbitterte Frau als Auserwählte stellvertretend für die gesamte Menschheit eine Entscheidung treffen muß. „Im Zwielicht der Erinnerung“ ist ein kleiner Krimi, wo eine Gefängnisärztin versucht, hinter das Geheimnis eines Gefangenen zu kommen, der vollkommen zerschlagen in ihrer Obhut ankam. „Der Fluch der Kelten“ ist mein neuester Roman, den ich Weihnachten 2014 veröffentlicht habe. Dort begegnet man alten Bekannten aus der „Seelenchronik“, aber auch vielen neuen Figuren. Ich möchte nicht zu viel über den Inhalt verraten, denn die Geschichte ist sehr vielschichtig und sollte ruhig selbst entdeckt werden. Diesen Roman werde ich auch auf der Buchmesse in Leipzig präsentieren. Ich habe dort zusammen mit Qindie einen Stand und es wird auch eine Lesung geben, auf die ich mich sehr freue.



Hast du schon ein neues Buch geplant? Magst du uns schon etwas dazu verraten?
Ich arbeite gerade gedanklich an zwei Romanen parallel. Zum einen wird es einen weiteren Roman geben, der ganz lose mit der „Seelenchronik“ zusammenhängt, denn ich werde in die Vergangenheit des dort vorgestellten Geheimordens gehen. Dieser Orden führt ein umfassendes Archiv über die Dämonische Seite und bildet Männer im Kampf gegen das Böse aus. Einen dieser Männer werden wir auf seinen Missionen ein Stück weit begleiten. Zum anderen gibt es einen Roman, der zur Zeit der Prohibition in Amerika spielt. Das wird allerdings kein netter Roman, befürchte ich. Aber ich lasse mich gerne selbst von meinen Figuren überraschen, mal sehen, wohin sie mich führen werden.


Welche Bücher liest du ganz Privat? Welches Buch sollte man auf jeden Fall einmal gelesen haben? Privat bin ich ein großer Fan von Stephen King. Nicht so wirklich vom Horror in seinen Geschichten, sondern vielmehr von den unglaublich vielschichtigen Figuren, die er zu entwickeln in der Lage ist. Gerade habe ich die Saga um den Dunklen Turm zum ersten Mal am Stück gelesen. Danach fällt es schwer, Roland den Revolvermann tatsächlich loszulassen. Für mich ist das neben „The Stand“ sein bestes Buch. Welches Buch man allerdings auf jeden Fall gelesen haben sollte, kann ich nicht sagen. Das hängt ganz stark von den eigenen Lesevorlieben ab. Die Klassiker, von denen viele schwärmen, sind für andere nicht lesbar, und das gilt für nahezu jedes Buch. Von daher maße ich mir nicht an, hier ein Urteil zu fällen.


Hast du das Gefühl, dass dir Rezensionen helfen? Findest du sie sinnvoll?
Rezensionen sind auf jeden Fall sinnvoll, wenn sie sich ernsthaft mit dem Buch beschäftigen. Ein „War ganz nett“ oder „hat mir nicht gefallen“ bringt mich allerdings nicht weiter. Wenn eine Rezension ausführlich ist, wenn der Leser versucht, mir zu erklären, was ihm gefallen oder nicht gefallen hat, dann kann ich sicherlich viel damit anfangen. Und wenn es nur die Erkenntnis ist, daß dieser spezielle Leser die Geschichte nicht so verstanden hat, wie ich sie gemeint hatte.


Wie stehst du zu Gewinnspielen? Verlost du auch manchmal eins deiner Bücher?
Gewinnspiele an sich mag ich schon. Allerdings sollten sie einen entsprechenden Anlaß haben. Meine Bücher findet man hin und wieder bei Gewinnspielen von Qindie, weil ich helfen möchte, diesen Zusammenschluß von Indie-Autoren bekannter zu machen. Von „Der Fluch der Kelten“ wird es zur Buchmesse in Leipzig ein Gewinnspiel geben.


Wie gehst du mit negativer Kritik um?
Kommt darauf an. Wenn es fundierte Kritik ist, kann ich gut damit umgehen. Zum einen, weil ich einfach nicht jedem gefallen kann, zum anderen, weil mich solche Kritik weiterbringt. Womit ich nicht gut klarkommen, sind „dumme“ Kritiken, also „Rezensionen“ die eben keine sind, sondern lediglich Meinungsäußerungen. „Mag ich nicht“ / „Fand ich doof“ / „Das hätte ich mir sparen können“ und so etwas ist sinnlos. Sowohl für mich als Autorin, als auch für potentielle Leser. Was soll man damit anfangen? Schlimm sind Haß-Rezis, mit denen kann ich gar nicht umgehen. Verrisse meiner Geschichten, weil ich irgendwem auf die Füße getreten bin. So etwas kann meinem Ruf als Autorin schaden, muß es aber nicht. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß extrem schlechte Kritik durchaus zum Kauf anregen kann. Aber umgehen kann ich dennoch nicht gut mit solchen Sachen.


Gibt es für dich ein No-Go im Sinne von Büchern oder auch deinen Fans?
Im Sinne von Büchern bestimmt. Ich mag zum Beispiel keine Bücher, bei denen es sich nur um Sex und Gewalt dreht. Wo es keine erkennbare Handlung gibt. Und was natürlich überhaupt nicht geht, sind schlecht geschriebene Bücher. Ich erwarte, daß der Autor sein Handwerk versteht und mir keinen Schulaufsatz vorsetzt, den mein 11jähriger Sohn besser geschrieben hätte.


Hast du Tipps für junge Autoren oder die, die es gerne werden möchten?
Ja, bestimmt den einen oder anderen. Zum einen: Schreiben, schreiben, schreiben! Und lesen. Viel lesen. Gute Bücher lesen. Schreibratgeber werden in meinen Augen überbewertet, dazu kann ich nicht raten. Allerdings sollte sich jeder Autor rechtzeitig ernsthafte Kritik einholen. Und dazu gehört auf keinen Fall Familie und Freunde! Besser geeignet sind da gute Schriftstellerforen im Internet, wie zum Beispiel das Federfeuer, wo gnadenlos kritisiert wird. Wer sich kein gutes Lektorat leisten kann (was die meisten Indie-Autoren nicht können dürften), sollte mindestens drei bis vier fundierte Betaleser haben. Also Leute, die zum einen die Fehlerquote an Rechtschreib- und Interpunktionsfehler gegen Null minimieren, zum anderen aber auch Kritik am Text äußern können, am Aufbau, am Handwerk.


Was willst du noch unbedingt an deine Leser los werden?
Ich bin glücklich, wenn ich gut unterhalten kann. Und ich freue mich über Rückmeldungen und Kontaktaufnahme! Ich beiße nicht, auch wenn ich mich gerne mit Dämonen und Vampiren umgebe.

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